Letzte Änderung
October 16. 2017 13:15:17
Sitemap & Druckversion

Geschichte

Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer in Osterode am Harz


Die Geschichte der Stadt Osterode und damit auch die Geschichte unserer Pfarrgemeinde reicht viele Jahrhunderte zurück: Zunächst entstand im Bereich der heutigen Schlosskirche St. Jacobi ein Dorf mit einer Kapelle. Im August 1136 hielt sich Kaiser Lothar III mit seinem Hofstaat hier auf. Eine Urkunde, die er während seines Aufenthaltes unterzeichnete, gilt nach letzten Erkenntnissen als die erste schriftliche Erwähnung Osterodes. 1152 wurde der Ort im Verlauf einer Fehde zwischen dem Welfen Heinrich dem Löwen und dem Askanier Albrecht dem Bären in Schutt und Asche gelegt. Der Wiederaufbau Osterodes erfolgte nicht am alten Siedlungsplatz, sondern im Bereich der heutigen St. Aegidienkirche nahe dem Söseufer. Schon um 1218 erhielt Osterode die Stadtrechte verliehen. Etwa 1230 kamen Zisterzienserinnen nach Osterode und errichteten ihr Kloster „St. Jacobi et Mariae“; drei Jahre später erhielten sie die älteste Kirche der Stadt, St. Jacobi, zugesprochen. Bald wurde den Osterodern ihre Stadt zu klein und sie bauten sich ihre „Neustadt“. Aus der Umgebung kamen Leute und errichteten die ersten Trabantensiedlungen außerhalb der Stadtmauer: Die Marienvorstadt (Mariendorf) und die Johannisvorstadt (Johannisdorf). Sie hatten ihre eigenen Kirchen und wahrscheinlich ihre politische Selbstständigkeit.


Zu Füßen der Burg entstand das Johannisdorf. Hier lebten die Burgmannen und das Gesinde in „Freiheit“ außerhalb der städtischen Gerichtsbarkeit. Das Johannisdorf hatte seine eigene Pfarrei mit einer 1232 erstmals urkundlich erwähnten Kirche. 1449 brannte die Johanniskirche ab, aber man baute sie wieder auf. Im Jahre 1504 wurde auf Veranlassung der Grubenhagener Herzogin Elisabeth ein Barfüßerkloster im Johannisdorf gegründet. Da das Kloster in der Nähe von St. Johannis lag, überließen die Stadtväter den Mönchen auch die Kirche, obwohl sie wahrscheinlich immer Pfarrkirche für das Johannisdorf geblieben ist. Die Anwesenheit der Mönche währte nicht lange, denn schon 1537 erreichte die Reformation auch Osterode. Bald darauf wurden das Barfüßerkloster und das Jacobikloster aufgelöst. Die Ausübung der katholischen Gottesdienste wurde untersagt. Nur wenige katholische Christen blieben ihrer Glaubenslehre treu und feierten die Gottesdienste mit auswärtigen Geistlichen in Lindau (Eichsfeld). Taufen, Trauungen und Beerdigungen mussten sie von protestantischen Pastoren vornehmen lassen.


Erst als das Königreich Westfalen (1807) durch Napoleon entstand und die Religionsfreiheit verkündet wurde, durften die Katholiken in der Jacobikirche Gottesdienste halten. Am 19. Dezember 1812 unterzeichnete König Jerome ein Dekret, mit dem er den Osteroder Katholiken die Johanniskirche überließ. Die Freude war groß; sie hatten wieder eine eigene Kirche und einen Pfarrer, der Gottesdienst hielt, Unterricht erteilte und die Sakramente spendete. Mit erheblichem Kostenaufwand wurde die verfallene Kirche wieder hergerichtet. Aber die Freude sollte nicht lange dauern. Nach der Auflösung des Königreiches Westfalen forderte der Magistrat von Osterode 1813 die Kirchenschlüssel vom Pfarrer Goldmann wieder ab. Das Verhältnis der Katholiken in Osterode zu ihren evangelischen Mitchristen und zum Magistrat wurde immer gespannter.


Nun besorgten sich die Osteroder Katholiken einen Saal, den heutigen „Freiheiter Hof“, in dem sie Gottesdienste feiern konnten; aber schon bald kam ein Verbot der Regierung. Erst 1848 durften sie nach langen Verhandlungen mit dem Magistrat, der Aegidiengemeinde und dem Hannoverschen Konsistorium die Johanniskirche leihweise übernehmen mit der Auflage, die Baulast zu tragen. Das schreckte sie nicht ab. Mit großem Einsatz richteten sie die wiederum völlig verwahrloste Kirche für den Gottesdienst her. Auch die Inneneinrichtung wurde erneuert, Sakristei und Dachreiter gebaut, Glocke und Orgel angeschafft. Nun wollte man die Kirche gerne kaufen, doch die Protestanten lehnten ab. Am 2. November 1852 wurde der seit 4 Jahren in Osterode amtierende Duderstädter Kaplan Johannes Creszenz Wüstefeld vom Hildesheimer Bischof zum Pfarrer in Osterode ernannt und gleichzeitig die katholische Pfarrei St. Johannes der Täufer gegründet. 1855 gehörten zur Pfarrgemeinde alle Ortschaften um Osterode bis Lerbach, Riefensbeek-Kamschlacken, Schwiegershausen, Willershausen. Zusätzlich wurden noch Bad Grund, Herzberg, Bad Lauterberg und St. Andreasberg mitversorgt. Um die Jahrhundertwende lebten etwa 600 Katholiken in und um Osterode.


Im Jahre 1897 kam der 31-jährige Georg Muth als Pfarrer nach Osterode und blieb hier 37 Jahre. Er ließ zunächst das Pfarrhaus fertig stellen, das sein Vorgänger Wilhelm Schlote eifrig betrieben hatte, und ging dann an den Bau der heutigen St. Johanneskirche. Sie wurde von 1902 – 1904 nach Plänen des Osteroder Baurats Mende als Hallenkirche aus rotem Backstein errichtet. Die Kosten einschließlich des Bauplatzes betrugen 79 057,84 Mark. Am 1. Adventssonntag 1904 konnte die Gemeinde ihren ersten Gottesdienst in der neuen Kirche feiern. In den 1930- er Jahren erwarb der damalige Pfarrer Friedrich Schmidts das alte Wohnhaus am Gümpelhof 3 für die Gemeinde und baute es zum Pfarrheim um.


Die unheilvollen Jahre des 2. Weltkriegs und danach brachten ungeheure Aufgaben mit sich: Flüchtlinge und Vertriebene, Soldaten und Kriegsgefangene sowie zahlreiche Ausgebombte aus Ost und West mussten seelsorglich betreut werden. 14 Orte gehörten zum Pfarrbezirk, Entfernungen bis zu 25 km waren ohne Auto zurückzulegen. Durch die Sprengung der Sösebrücke am11. April 1945 wurde auch die Johanneskirche stark beschädigt. Die Zahl der Gläubigen war auf etwa das Sechsfache angestiegen. Das Gotteshaus war zu klein geworden, und es kam die Überlegung auf, eine weitere Kirche zu bauen. Zunächst wurde 1962 in Badenhausen die St. Bonifatiuskirche errichtet und ein Jahr später die St. Martinuskirche in Osterode. Zugleich wurde die Pfarrei geteilt und die Kuratie St. Martin gegründet. Das gesamte Wohngebiet südlich der Bahnlinie Herzberg – Seesen sowie die Dörfer Förste, Nienstedt, Eisdorf, Willensen und Badenhausen gehörten fortan zur Kuratie St. Martin. Am 1. Dezember 1977 wurde die Kuratie zur Pfarrei erhoben, und es gab nun zwei selbständige Pfarrgemeinden in Osterode.


Nach dem Weggang von Pfarrer Wilhelm Lipp aus der St. Martinsgemeinde im Jahre 1986 übernahm Pfarrer Wolfgang Müldner von St. Johannes zusätzlich die Pfarrei St. Martin. Durch eine Initiative des Hildesheimer Bischofs Dr. Josef Homeyer kamen im Herbst 1994 sechs Missionsdominikanerinnen aus dem Kloster Strahlfeld nach Osterode und bildeten im Pfarrhaus von St. Martin einen kleinen Konvent. Ihr Schwerpunkt ist vor allem die Seelsorge an kranken und alten Menschen. Aber auch die Familien stehen im Mittelpunkt ihrer Bemühungen. 1998 wurde Pfarrer Dirk Sachse Nachfolger von Pfarrer Müldner. Als Folge der geringer werdenden Zahl an Katholiken in beiden Pfarreien kam alsbald der Wunsch auf, die Gemeinden wieder zusammen zu führen. Am 1. August 2004 ordnete der Bischof den Zusammenschluss als Pfarrei St. Johannes der Täufer an. Seit 2005 ist Pfarrer Mieczyslaw Kamionka Seelsorger der Gemeinde. Schließlich wurde am 1. September 2008 die Pfarrei St. Barbara, Bad Grund, der St. Johannesgemeinde zugepfarrt, so dass der territoriale Bereich nun die Stadt Osterode mit allen Stadtteilen sowie die Samtgemeinde Bad Grund mit allen Mitgliedsgemeinden umfasst. Die Zahl der Katholiken beträgt z. Z. ca. 3000 Mitglieder (Stand: Januar 2011). Am 10. Februar 2010 wurde die ehemalige Pfarrkirche St. Barbara in Bad Grund vom Bischof Norbert Trelle profaniert; Kirche und Pfarrhaus sind inzwischen veräußert. Im Herbst 2010 erfolgte eine umfassende Renovierung des Pfarrheimes St. Johannes. Dabei entstanden im Obergeschoss zwei neue Gruppenräume, und der Platz rund um die St. Johanneskirche erhielt eine neue, erweiterte Gestaltung.


Seit der Reformation befindet sich die katholische Kirche in Osterode also in der Diaspora. Wir Katholiken sind eine Minderheit. Das erfordert vor allem Zusammenhalt und Zusammenarbeit. Alle sind aufgerufen, ihren Anteil dazu beizutragen, damit pfarrliches Leben möglich wird und gelingen kann. Hier beweisen sich vor allem die engagierten Gruppen und Gremien der Gemeinde. Zudem muss eine Diasporapfarrei auch immer über die eigenen Grenzen hinweg schauen. So haben ökumenische Beziehungen zu den evangelischen Mitchristen inzwischen eine jahrzehntelange, gute Tradition. Seit 1980 wird in der Osternacht das Osterlicht für alle christlichen Gemeinden vor der Friedhofskapelle entzündet und in die Kirchen getragen. Weiterhin werden in den verschiedenen Kirchen zu unterschiedlichen Anlässen ökumenische Gottesdienste gefeiert und Begegnungen ermöglicht.


„Möge Gott auch in Zukunft seine schützende und segnende Hand über unsere „Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer“ halten, damit sie eine lebendige Stätte und Gemeinschaft des Glaubens bleibt.“


Diakon Rudolf Appel