Letzte Änderung
October 16. 2017 13:15:17
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Profanierte Filialkirche St. Martin in Osterode

Am 9. September 2015 wurde die Kirche St. Martin von Bischof Norbert Trelle aus Hildesheim profaniert. Damit endete die Geschichte der Kirche nach über 52 Jahren.

 

 

In der Kriegs- und Nachkriegszeit kamen zahlreiche Katholiken vor allem aus den deutschen Ostgebieten als Flüchtlinge und Vertriebene auch in die Harzregion. Allein in Osterode vergrößerte sich deren Zahl etwa um das Sechsfache. Neue Baugebiete entstanden wie z. B. der Ortsteil Dreilinden. An der Bergstraße wurde die Rommelkaserne errichtet. Nun gab es Überlegungen, die inzwischen sehr groß gewordene und weit verzweigte St. Johannesgemeinde zu teilen.

An der Bergstraße, gegenüber der Kaserne, wurde ein Grundstück gekauft und der Bau einer Kirche geplant. Zur Finanzierung diente ein Kirchbauverein. Am 21. Juni 1962 geschah die Grundsteinlegung durch den Hildesheimer Generalvikar Sendker. Die neue Kirche sollte auch der Bundeswehr für die Seelsorge dienen. Sie erhielt den Namen St. Martinus und wurde am 14. Juli 1963 durch den Hildesheimer Weihbischof Heinrich Pachowiak zum Gotteshaus geweiht. Als Kirchweihfest ist der 2. Sonntag im September vom Bischof Heinrich Maria festgesetzt; das Patronatsfest feiert die Gemeinde am 11. November.

Zugleich mit der Errichtung der St. Martinskirche wurde die St. Johannesgemeinde geteilt und die Kuratie St. Martin gegründet. Erster Seelsorger war Pastor Wilhelm Lipp. Das Gemeindegebiet umfasste das südlich der Bahnlinie Herzberg – Seesen liegende Stadtgebiet in Osterode sowie die Orte Förste, Nienstedt, Eisdorf, Willensen, Badenhausen, Katzenstein, Lasfelde, Petershütte. Die Pfarrei zählte damals ca. 1900 Katholiken.

Die St. Martinuskirche wird beherrscht durch das Mosaikbild an der Altarrückwand. Es ist eine Darstellung des Letzten Abendmahls: Jesus im Kreis seiner Apostel. Es sind nur 11 Apostel; einer fehlt. Das Bild ist Anruf und Mahnung: In unserer Gemeinschaft fehlt einer, weil er nicht kann oder nicht will. Rechts vom Altar sieht man ein Bild der Gottesmutter in farbiger Emaillearbeit: Maria mit dem Kind in einer ungewohnten und für manchen befremdlichen Darstellung. Links vom Altar in einer Nische hängt das Bild des Pfarrpatrons, des hl. Martin. Er teilt seinen Mantel und gibt die Hälfte ab. Unter dieser Darstellung ist in die Wand ein Stein aus der Grabeskirche des hl. Martin in Tours eingelassen. Der Kreuzweg an der rechten Kirchenwand zeigt in ausdrucksstarken Graphiken den Leidensweg des Herrn. Die künstlerische Ausgestaltung der Kirche hatte der Braunschweiger Künstler Claus Kilian.

Die Figur des hl. Martin ist eine Arbeit der Geschwister Degen, Höhr-Grenzhausen. In der früheren Taufnische gleich neben dem Eingang sehen wir die Figur des Schmerzensmannes. Seit 1980 hängt an der linken Wand eine Kopie des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald. Im Jahre 1967 wurde die Orgel installiert; sie ist von der Gemeinde finanziert.

Nach dem Weggang von Pfarrer Lipp 1986 übernahm Pfarrer Wolfgang Müldner von der St. Johannesgemeinde zusätzlich die St. Martinusgemeinde. Sein Nachfolger wurde 1998 Pfarrer Dirk Sachse. Durch die geringer werdende Zahl an Katholiken in beiden Gemeinden kam alsbald der Wunsch auf, die Pfarreien wieder zusammen zu führen. Am 1. August 2004 ordnete Bischof Josef Homeyer den Zusammenschluss als Pfarrei St. Johannes der Täufer an. Seit 2005 ist Pfarrer Mieczyslaw Kamionka Seelsorger der Gemeinde. Im Zuge der Neuausrichtung der Seelsorge und aufgrund der Sparmaßnahmen des Bistums soll die St. Martinskirche nach 2014 profaniert und veräußert werden. Damit ginge eine über 50-jährige Kirchengeschichte hier in Osterode zu Ende.

Diakon Rudolf Appel


 

Im Bereich Download steht die Festschrift "25 Jahre Kirche und Gemeinde St. Martin" von 1988 zur Verfügung